Das Vorhaben „Kinderfreundliche Kommunen“ – das passiert in Köln

veröffentlicht von Claire Oberwinter / 17/12/2014 / , , / 0 Kommentare

„Kinderfreundliche Kommunen“ ist ein Vorhaben mit der UNICEF und dem Kinderhilfswerk als Träger, um die Rechte von Kindern und damit den Schutz, die Förderung sowie die Beteiligung von Kindern zu stärken. Es ist eine Auszeichnung, für die sich Kommunen aktiv bewerben können. Auch die Stadt Köln ist letztes Jahr mit in dieses Vorhaben eingestiegen. Vor ein paar Wochen habe ich mich mit Frau Heinemann und Frau John vom Amt für Kinderinteressen und Jugendförderung getroffen, um mehr über die Umsetzung und Durchführung des Vorhabens in Köln zu erfahren.

Zunächst einmal kurz etwas zum Vorhaben allgemein. Ich zitiere einfach mal die Website, die das eigentlich sehr gut zusammenfasst: „Die „Kinderfreundliche Kommune“ ist eine gemeinsame Initiative des Deutschen Komitees für UNICEF e.V. und des Deutschen Kinderhilfswerkes e.V. Der Verein „Kinderfreundliche Kommune e.V.“ zeichnet Städte und Gemeinden aus, die für die lokale Umsetzung der Kinderrechte – unter Beteiligung der in der Kommune lebenden Kinder und Jugendlichen – verbindliche Ziele und einen Aktionsplan entwickeln. Der Verein begleitet die Kommune bei der Entwicklung eines kinderfreundlichen Aktionsplans, der zur Verleihung des Siegels „Kinderfreundliche Kommune“ führt.“

Es geht also darum, einen Aktionsplan zu entwickeln und umzusetzen. Am Ende dieses gesamten Prozesses steht die Auszeichnung „Kinderfreundliche Kommune“, die erst einmal vier Jahre gültig ist. Anschließend wird überprüft, welche Maßnahmen zwischenzeitlich umgesetzt wurden und ob die Auszeichnung verlängert wird. Das gewährleistet, dass die Städte „dranbleiben“ und die Auszeichnung auch wirklich einen Wert hat.

Wie dieses Vorhaben in Köln umgesetzt und durchgeführt wird, haben mir Frau Heinemann und Frau John erklärt.

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Frau Heinemann und Frau John vom Amt für Kinderinteressen und Jugendförderung der Stadt Köln

Worum geht es bei diesem Vorhaben?

Es geht darum, dass UNICEF mit dem Kinderhilfswerk zusammen feststellen will „Was ist kinderfreundlich in den Kommunen?“, „Wie werden die Kinderrechte umgesetzt?“ und „Wie realistisch ist die Umsetzung?“. Dabei geht es nicht nur um die Kinderfreundlichkeit in der Verwaltung selber, sondern auch in der Stadt insgesamt, also bei den Bürgern. Es geht eben mit darum, ein allgemeines Bewusstsein für dieses Thema zu schaffen, sowohl in der Verwaltung als auch in der Bevölkerung.

Was wird im Rahmen des Vorhabens derzeit konkret in Köln gemacht?

In Köln geht es vor allem um die Themen „Kinderrechte“ und „Partizipation“. Wir sind schon länger aktiv in diesem Bereich (u.a. mit der Rathausschule) und überprüfen nun, inwiefern die Kinder in Köln über diese Dinge bescheid wissen. Dazu haben wir vor Kurzem anonyme Fragebögen an Kinder in der 5. und 6. Klasse verteilt. Der Sinn der Fragebögen ist es herauszufinden, ob sie ihre Rechte kennen, ob sie sich in Köln wohlfühlen, welche (Alltags-)Sorgen sie haben, was sie in Köln ändern würden. Diese Fragebögen werden in den nächsten Monaten ausgewertet.

Parallel dazu findet derzeit auch in der Verwaltung eine Befragung statt, um herauszufinden, inwiefern die Interessen von Kindern bei Entscheidungen berücksichtigt werden.

Die Ergebnisse dieser beiden Umfragen münden dann in einen Maßnahmenkatalog. Wir vom Amt für Kinderinteressen und Jugendförderung werden allerdings auch noch eigene Vorschläge für Maßnahmen machen.

Dieser Maßnahmenkatalog soll dann in einem Ratsbeschluss offiziell bestätigt werden, damit die Maßnahmen auch umgesetzt werden können. Erst dann kann die Auszeichnung überhaupt an uns vergeben werden und dann geht es an die konkrete Umsetzung dieser Maßnahmen.

Sie haben erwähnt, dass im Bereich Kinderrechte und Partizipation schon viel gemacht wird. Was denn genau?

Wie gesagt, es gibt z.B. die Rathausschule. Dort wollen wir den Kindern die städtische Politik und Verwaltung näher bringen. Mit der wichtigste Bereich hierfür ist aber das Thema Spielplatzplanung. Wir beziehen schon sehr lange Kinder in die Entscheidungsprozesse für Spielplätze ein, da die Akzeptanz dann meist viel größer ist. Immerhin sind sie die Experten und sie sehen die Dinge eben aus ihrem kindlichen Blickwinkel, den wir Erwachsene manchmal so nicht haben. Ein wichtiger Nebeneffekt ist dabei: demokratisches Verhalten wird gelernt, denn auch die Wünsche der Kinder sind unterschiedlich. Im Prozess lernen die Kinder dann, Kompromisse zu schließen. Schlussendlich lernen die Kinder vor allem: „Ich habe als Bürger die Möglichkeit, etwas zu bewegen.“

Kinderfreundlichkeit bezieht sich zwar nicht ausschließlich auf das Spielplatzthema, sondern eben auch auf alles, was die Lebenswirklichkeit von Kindern betrifft (Barrierefreiheit, Betreuung etc.). Zentral ist aber durchaus die Partizipation.

Wie kam es dazu, dass Köln sich in diese Initiative eingeklinkt hat?

UNICEF wollte, dass Köln dabei ist, schon seit vielen Jahren enge Zusammenarbeit, vor allem im Rahmen des Weltkindertags.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit UNICEF während der Projektphase aus?

Das ist abhängig von der jeweiligen Phase. Prinzipiell gibt es aber zwei Mal pro Jahr ein Treffen aller beteiligten Kommunen zum Austausch.

Außerdem arbeiten wir natürlich eng mit der unabhängigen Sachverständigen-Kommission zusammen, die aus Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen besteht. Diese bewertet später den Maßnahmen-Katalog und entscheidet über das Siegel anhand von bestimmten Kriterien.

Was sind die nächsten Schritte?

Derzeit werden die Ergebnisse der Fragebögen eingegeben und anschließend ausgewertet. Diese Auswertung soll im Laufe des nächsten Jahres geschehen. Sobald die Auswertung fertig gestellt ist, werden wir uns mit den Maßnahmen beschäftigen, die wir daraus ableiten können. Das wird dann entsprechend Ende nächsten Jahres bzw. 2016 passieren.

Noch eine letzte Frage: was ist für Sie Kinderfreundlichkeit?

Frau Heinemann: Ganz klar, dass es wichtig ist, Kinder ernst zu nehmen.

Frau John: Einerseits natürlich wie Frau Heinemann gesagt hat, das Ernstnehmen und Wertschätzen, aber auch das Zuhören, ihnen damit auch eine Lobby zu bieten.

Vielen Dank für dieses Interview!

Ich finde es sehr spannend zu sehen, wie das Thema Kinderfreundlichkeit in Köln „von höchster Stelle“ behandelt wird. Ich bin gespannt, was die Auswertung der Fragebögen ergeben wird und werde sicher in diesem Blog noch einmal von diesem Projekt berichten. Auf jeden Fall würde ich mich freuen, wenn Köln die Auszeichnung „Kinderfreundliche Kommune“ erhält und dies zum Ziel, ein größeres Bewusstsein für die Belange von Kindern zu schaffen, beiträgt.

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